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Welt im Wandel oder wie “Social” zum Marketing kam.
28. Jun
Täglich entstehen neue Erklärungsmodelle, die Unternehmern und Führungskräften erklären sollen, wie sie denn nun richtig “Social Media Marketing” machen. Auch gibt es inzwischen ein wahres Meer an Büchern, Blog Artikeln und Workshop Angeboten, die das Thema auf vielerlei Arten erklären. Ich selber biete ja dazu auch Seminare, Vorträge und Workshops an und dieser Blog hier soll ja auch dabei unterstützen, Social Media Marketing zu verstehen und optimal einzusetzen.
Was mir aber immer wieder auffällt, die Benutzung ist schnell klar, auch das eine durchdachte Strategie auf Basis des bestehenden Marketing Konzeptes am Anfang aller Social Medialen Erfolge stehen muss, leuchtet jedem schnell ein. Das Wo, Wie und Was ist also gar nicht allzu schwierig. Woran liegt es dann aber, dass trotzdem so viele sich im Social Media Marketing schwer tun? ,
Im Zuge meiner Ausbildung zur Business Trainerin entwickle ich gerade ein komplett eigenes Trainingsprogramm, für mein Thema, also Kommunikation 2.0. Dabei ist mir aufgefallen, dass bei all den Antworten auf Wo, Wie, Was ein wichtiges W fehlt… Das WARUM!
Warum funktioniert Social Media Kommunikation so wie es funktioniert? Warum haben manche Unternehmen damit so Riesen Erfolge und andere eben nicht? Warum ist Social Media Marketing so viel mehr als ein Hype?
Weil unsere Welt sich seit 20 Jahren (mindestens) in einem Wandel befindet.
Vor gut 15 Jahren, war ich zu Gast in einer Talkshow. Damals bestand ja das komplette TV Programm aus diesen Shows, in denen sich lauter mehr oder weniger normale Menschen auf eine Bühne gesetzt haben, um irgendein Thema zu diskutieren. Ich wurde eingeladen, weil ich damals in Hamburg als Filialleiterin einer Einzelhandelskette jemandem von den Talkshow Machern aufgefallen bin. Es ging um das Thema “Servicewüste Deutschland” und dieser Jemand meinte, ich sei im Umgang mit Kunden ungewöhnlich freundlich. In dieser Sendung wurde dann bis zum Erbrechen darüber gestritten, ob Kunden neuerdings so viel mehr erwarten, oder ob Verkäufer plötzlich besonders unfreundlich sind. Für mich lag damals die Wahrheit, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Aus heutiger Sicht scheint es mir aber so, als ob mit den Talkshows damals etwas begonnen hat, das bis heute beinahe so etwas wie eine Revolution geworden ist. “Wir sind die Kunden, wir haben zu bestimmen, denn wir bezahlen euer Leben” oder so ähnlich
Auch in der Politik findet diese schleichende Revolution statt. Konnten frühere Politiker Generationen sich doch immer darauf verlassen, dass wenn sie nur resolut und laut genug waren, immer ausreichend braves Stimmvieh an die Urne getrottet ist, um sie in ihrem Machtanspruch zu bestätigen, will heute jeder Wahlberechtigte gleich mitbestimmen… “Alle Macht geht vom Volke aus!” Wie im alten Rom, so wollen die Menschen auch heute wieder im Forum gehört werden. Nur ist es eben nicht mehr ein Platz in der Mitte der mächtigsten Stadt weit und breit, sondern viele kleine Foren, mit vielen Menschen unterschiedlichster Herkunft und sozialer Stellung, die da Volkes Macht demonstrieren.
1999 entstand das “Cluetrain Manifest” ein Ausschnitt aus der Überschrift sagt aus, was sich in den letzten 10 Jahren zu dem entwickelt hat, das wir heute “Social Media Kommunikation” nennen:
Ein kraftvolles globales Gespräch hat begonnen. Über das Internet entdecken und gestalten die Menschen neue Wege, um relevantes Wissen mit rasender Geschwindigkeit auszutauschen. Als direktes Resultat werden die Märkte intelligenter — und sie werden schneller intelligent als die meisten Unternehmen.
Der schönste und für mich wichtigste Satz ist der: “Märkte sind Gespräche”
Nein, ich behaupte hier nicht, dass jetzt lauter viel schlauere Menschen überall mit diskutieren wollen. Wahrscheinlicher ist es wohl, dass sich einfach sehr viele für schlauer halten als sie es sind, aber Tatsache bleibt, unabhängig davon wie schlau oder weniger schlau die Menschen heute sind, sie wollen mit bestimmen. Sie wollen ihre Meinung sagen und vor allem …sie wollen ernst genommen werden!
Im Grunde ist es doch ganz einfach… Jeder von uns ist sehr viel öfter Kunde als Anbieter, oder?
Wie gut kommen denn bei Ihnen Unternehmen an, die Sie stundenlang in Warteschleifen parken, um dann durch eine freundliche, aber inkompetente Person, mitteilen zu lassen, dass der von Ihnen gewünschte Ansprechpartner für Ihr Problem (oder Ihre Anregung, oder vielleicht sogar Ihr freundliches Kompliment zum gelungenen Produkt) für Sie keine Zeit hat?
Wie gefällt es Ihnen, wenn Sie immer häufiger das Gefühl haben, Ihnen wird etwas angedreht, dass Sie weder brauchen noch wirklich wollen? Haben Sie nicht auch manchmal gute Lust, jemandem richtig vor das Schienbein zu treten, weil der Sie herablassend behandelt, oder Sie womöglich sogar wissentlich betrogen hat?
Märkte sind Gespräche… egal was Sie im Markt positionieren wollen, kommen Sie mit den Menschen, die Ihren Marktplatz erst zu einem Markt machen, ins Gespräch. Hören Sie denen genau zu, die am allerbesten wissen, was an Ihrem Produkt das besonders Tolle ist, oder eben was Ihr Produkt zu dem besten in diesem Markt machen kann.
Es gibt noch einige andere Warums die den Erfolg von Social Media Kommunikation ausmachen, aber das Zuhören und der respektvolle Umgang mit anderen Menschen, ist eben der wichtigste Grund, diese Revolution verstehen zu lernen.
Kommen Sie doch besser mit den “Märkten” also Menschen ins Gespräch, als bei Ihrer “Zielgruppe” ins Gerede.
Im Grunde ganz einfach…
27. Mrz
Da war sie wieder, die Annahme “Das weiß doch jeder, dass muss ich doch nicht erzählen” Irrtum, was meine tägliche Arbeit mit Social Media Instrumenten so einfach macht, kann ja ein “Neu Social Webber” nicht kennen, wenn´s ihm keiner sagt, also schreibe ich das doch hier mal auf. Bitte nicht als Regel oder “einzig wahren Weg” betrachten, denn es handelt sich um die Wege, die sich für mich als praktisch erwiesen haben und ich bin sicher es gibt noch vieles andere. Empfehlen kann ich aber eben nur das, womit ich selber die besten Erfahrungen gemacht habe. Abraten kann ich allerdings auch… und zwar von allem, das automatisch folgt, entfolgt oder Nachrichten versendet. Das Social Web lebt in Maschinen, aber ausschließlich durch die Menschen die sie bedienen. Also bitte nur denen folgen, deren “Gezwitschere” sie wirklich lesen wollen und nur dann eine direkte Nachricht senden, wenn sie dem Angeschriebenen etwas persönliches mitteilen wollen. “Danke das sie mir folgen, schauen sie doch mal auf meine … Seite” Nachrichten sind nervig und unerwünscht.
Mit TweetDeck die Infoflut überblicken
Das Browser unabhängige Tool TweetDeck zeigt, in mehreren Fenstern nebeneinander, was mich in der großen Zwitscherwelt gerade am meisten interessiert. Neben der Timeline in der alle Tweets derer stehen denen ich folge, kann ich mir vorher in Twitter zusammengestellte Listen anzeigen lassen, oder Tweets zu einem bestimmten Thema, wenn dieses mit einem allgemein gültigen Hashtag (#Thema) versehen sind. Zum Beispiel interessiert mich aktuell, was denn die Enquete Kommission “Internet” twittert. Also habe ich zuerst einmal alle in dieser Kommission Aktiven in einer Twitterliste gesammelt. Dann habe ich einige der Tweets dieser Enquete Mitglieder gelesen, bis ich den Hashtag #eidg entdeckt habe, so dass ich in einem der TweetDeck Fenster alle mit #eidg gekennzeichneten Tweets mit verfolgen kann ohne jedem zu folgen der da twittert. Auf diesem Wege habe ich auch schon viele “Verfolgenswerte” Twitterer gefunden, die mir sonst vielleicht nie über den Bildschirm gehuscht wären
Natürlich kann ich über TweetDeck auch meine Replys (Tweets die meinen Namen also @AngieDor erwähnen) beobachten und direkte Nachrichten (DMs) in einem eigenen Fenster sehen. Für jedes Fenster, das ich einrichte, gibt es die Möglichkeit, sich durch ein kleines Popup Fenster und einen Ton benachrichtigen zu lassen, wenn dort etwas Neues kommt. Diese Funktion habe ich persönlich aber lieber nur auf Replys und DMs beschränkt, da mir sonst einfach zu oft das Popup in die Arbeit blinkt. Um aber etwas das gerade brennend interessiert oder eben Nachrichten an mich persönlich nicht zu verpassen, erleichtert diese Funktion den Umgang ungemein, muss ich schließlich nicht ständig nach schauen ob´s da was Neues gibt.
Vernetzen der Netzwerke
Wer Accounts in allen gängigen Social Networks hat, könnte gut und gerne sowohl den ganzen Arbeitstag als auch die gesamte Freizeit damit zubringen, in jedem dieser Netzwerke Präsens zu zeigen, in dem man immer mal eine neue Statusmeldung einträgt. Da gibt es aber zum Glück einige Möglichkeiten, diesen Zeitaufwand einzukürzen. Bei Facebook, den VZ Gruppen, LinkedIn und My Space gibt es die Möglichkeit, den Account mit Twitter zu verbinden, so dass jeder Tweet auch gleich auf allen anderen Plattformen auftaucht, sie müssen dann nur noch immer mal schauen, ob auf einer der anderen Plattformen jemand auf ihren Tweet reagiert hat. Bei Xing gibt es diese Einbindung von Twitter nicht (noch nicht) dafür aber eine Applikation die sich Twitter Buzz nennt. Hier können sie Suchbegriffe (Buzzwörter) eingeben und bekommen dann auf ihrer Xing Startseite alle Tweets zu sehen, die diesen Suchbegriff enthalten. Das ist sehr praktisch, wenn sie zum Beispiel ihren Firmennamen oder Produktbezeichnung beobachten, entgeht ihnen nichts, was über sie getwittert wird. Kürzlich hatte ich da ein interessantes Erlebnis. Während ich bei einem Kunden dieses Tool eingerichtet habe, erschienen mehrere Tweets, die das Unternehmen positiv erwähnt haben. Das ist natürlich eine tolle Gelegenheit, mit diesen Twitterern Kontakt aufzunehmen und sich für das Kompliment oder die Empfehlung zu bedanken. Sie sind ja selber öfter Kunde als Anbieter, sie können sich also sicher sehr gut vorstellen, wie so ein “Danke für das Kompliment, lassen Sie uns im Gespräch bleiben” bei ihren Kunden ankommt. Aber eben auch negative Kritiken fallen ihnen hier auf und auch da gilt, reagieren sie direkt und kommen sie mit dem Kritiker ins Gespräch, das hat grundsätzlich eine sehr viel nachhaltigere Wirkung als jede Marketing Maßnahme. Gerade die konstruktiv kritisierenden sind für ein Unternehmen wertvoll und sollten daher auch wertschätzend behandelt werden, nehmen sich diese Menschen schließlich die Zeit, sich mit ihrem Unternehmen auseinander zu setzen und sie auf eventuelle Fehler hinzuweisen.
Transparenz, Respekt und Persönlichkeit gepaart mit diesen kleinen Hilfsmitteln, bringen mehr als jede teure Marketing Kampagne es je schaffen wird. Ganz einfach, nur nicht immer leicht.
Kennen Sie jemanden der das Radfahren gelernt hat…
23. Jan
…nur aus einem Vortrag über´s Radfahren, oder weil er mal darüber gelesen hat, ohne je auf einem Fahrrad gesessen zu haben?
Das Thema Social Media Marketing scheint wirklich viele Menschen zu interessieren, die Erwartungshaltung jedoch, die ich bei den Veranstaltungen zum Thema erlebe, ist erstaunlich.
Da gibt es die “Bedenkenträger” denen zu wirklich jedem Pixel etwas einfällt, das in irgendeiner Weise riskant ist. Dann finden sich die “Alles schon gesehen, alles schon erlebt, alles schon für unnütz befunden” Typen. Ich denke mir oft, wenn ich mir diese, meist großkotzig und respektlos daher posaunenden Belehrer anhöre: “Hm, wenn Sie so auch im Netz mit den Menschen umgehen, wie jetzt hier, ist es auch kein Wunder, dass Sie gescheitert sind im Social Web!” Nein, ich sage das nicht, denn damit würde ich ja selber respektlos und belehrend daher kommen.
Am interessantesten allerdings finde ich die Menschen, die tatsächlich glauben, sie wüssten jetzt wie Social Media Marketing funktioniert, weil sie in einem Vortrag waren, oder weil sie ein Buch über Twitter gelesen haben. Komme ich also auf meine eingangs gestellte Frage zurück. Die Väter und Mütter, die Meter um Meter neben dem Rad ihres Sprösslings her gelaufen sind, immer eine Hand am Sattel, wissen vielleicht, was ich meine. Wenn Sie sich jetzt vorstellen, Ihr Nachwuchs sei gleich nachdem Sie ihm erzählt haben, was Fahrradfahren überhaupt ist und wozu es nützt Rad fahren zu können, aufgesprungen, um ohne Sie und am besten noch auf Ihrem Erwachsenenrad sofort los zu radeln… Genau!


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